Bereits
der älteste erhaltene Grundriss einer Klosteranlage, der
um 820 n. Chr. auf Pergament gezeichnete Plan des Klosters
St. Gallen in der Schweiz aus der Zeit Karls des Großen
verdeutlicht, dass Klöster stets ebenso Stätten der Religiosität
und geistlichen Einkehr, der Künste und der Bildung sowie
der karitativen Gesundheits- und Krankenpflege waren wie
auch landwirtschaftliche und handwerkliche Wirtschaftsbetriebe
zur Eigenversorgung und für Abgaben.
Erst mit der Säkularisierung, der Aufhebung der Klöster
im Jahre 1804 durch den preußischen König, der nachfolgenden
französischen Besetzung und der dann wieder preußischen
Herrschaft trennte sich die Jahrhunderte währende Einheit
von Kloster und Wirtschaftshof. Ab dieser Zeit hatte Groß
Ammensleben eine Pfarrei als geistliches Zentrum und eine
preußische Domäne mit verschiedenen Pächtern.
Im historischen Kostüm des Klosterstifters Graf Otto II.
von Ammensleben, Hillersleben und Grieben führte Dr. Wilfried
Lübeck die Geschichte von Kloster und Domäne in eindrucksvoller
Weise vor Augen, als mit dem Festakt am 22. April 2005 wiederum
ein neuer Zeitabschnitt für die Domäne begann.
Die Eröffnung wurde musikalisch umrahmt von den jungen Künstlern
Johanna und Valentin Kasper.

Und so waren auch die Gäste zahlreich
aus nah und fern gekommen, den ersten Abschnitt der gelungenen
Sanierung, Umgestaltung und Restaurierung des im Verfall
begriffenen Wirtschaftshofes gebührend zu feiern.
Landrat
Thomas Webel würdigte das Engagement der Ortschafts- und
Gemeindevertreter, die mit Bürgermeisterin Erika Tholotowsky
Mut, Tatkraft und Risikobereitschaft einbrachten, eine Vision
zu entwickeln und in die Tat umzusetzen.
Im weiteren Verlauf soll die gesamte Domäne mit Parkanlage,
Pferdeschwemme und Schäfertor ein attraktives Zentrum des
kulturellen Lebens in Groß Ammensleben und eine Stätte der
Begegnung in der Gemeinde Niedere Börde werden. Warum nicht
auch mit einem bedarfsgerechten Mühlencafé am Teich?
Mit der Gestaltung des festlichen Platzes zwischen dem Caritas-Heim
St. Klara, dem Dorfteich und der alten Schmiede ist ein
Anfang gemacht. Schmiede und alte Mühle wurden mit Förderung
von Bund, Land und Europäischer Union, aber auch zahlreicher
privater und gewerblicher Unterstützung im Rahmen des Tourismus-Projektes
zu einem schmucken Informationszentrum an der Straße der
Romanik umgebaut.
Dank vieler Helfer und bereitgestellter Materialien konnten
Reinhard Skowronek und Ingrid Reichwaldt in den neuen Räumen
eine sehenswerte Ausstellung zu Domäne und Klosterkirche
aufbauen. Zu den Öffnungszeiten kann sie ebenso wie die
Klosterkirche besichtigt werden und auch Informationsmaterial
über unserer Region liegt in Kooperation mit den benachbarten
Tourismusverbänden aus.
Unsere Gemeinde ist um ein Schmuckstück reicher geworden,
das mit Leben beseelt wird. So sollen künftighin nicht nur
die Touristen auf der Straße der Romanik einen attraktiven
Zielpunkt haben, sondern bspw. Gemeinderats- und andere
Sitzungen stattfinden können, so wie die Kulturhistorische
Gesellschaft für den Herbst zu einem Klönsnack über alte
Zeiten auf der Domäne einladen wird.
Text: Prof. Dr. Rüdiger Pfeiffer,
Kulturhistorische Gesellschaft Groß Ammensleben an der Straße
der Romanik
Fotos: Gaby Blaschyk
Quelle: Gemeindeblatt Niedere Börde, 31. Mai
2005