
Pfarrer Sternal in der ehemaligen Klosterkirche in Groß Ammensleben,
einer der Kirchen, in denen er seit September Gottesdienste hält.
Von Mona Köcher
Groß Ammensleben. Zuhören
können ist das Wichtigste. Ein Pfarrer muss vor allem zu- hören
können und verstehen. „Es nützt nichts, - nur Vorschriften zu machen“
‚ sagt Michael Sternal (53). „Ich will mit den Menschen den Horizont
ihres Lebens suchen, ihnen Zuversicht und Hoffnung geben.“ Diese
Aufgabe ist für Pfarrer Michael Sternal nicht neu, und doch ändert
sich für ihn einiges. Im Bistum werden zurzeit die Gemeinden neu
strukturiert. Und in diesem Zusammenhang wechselte Sternal von seiner
Pfarrei in Magdeburg Ottersleben in den Ohrekreis, wo er sich nun
um mehr als dreimal so viele Menschen kümmert. Er ist zuständig
für Haldensleben, Calvörde, Eichenbarleben, Groß Ammensieben, Weferlingen,
Wolmirstedt.
Auch im neuen Gemeindeverbund wird es Sternals Aufgabe sein, auf
die Menschen zuzugehen und sie in ihrem Leben zu bestärken. Dabei
kommt es ihm vor allem darauf an, „dass man aufmerksam ist,
dem Menschen bei Bedarf seelischen Beistand gibt, einfach
da ist“.
Die Probleme, mit denen sich Christen und auch Nicht-Gläubige an
Pfarrer Sternal wenden, sind vielfältig und reichen vom Todesfall
in der Familie bis zur Arbeitslosigkeit. Auf der anderen Seite möchte
Sternal auch in guten Zeiten für seine Gemeinde da sein, „die Menschen
bestärken bei Hochzeiten, Jubiläen oder einfach, wenn was gelungen
ist, und sei es, dass jemand ein Haus gebaut hat“. Wichtig ist für
den gebürtigen Staßfurter immer die Gemeinschaft. „Gemeinschaft
stärkt und hilft dem Menschen.“
Der Wunsch, Pfarrer zu werden, reifte bei Michael Sternal relativ
spät. Er hatte bereits einen Abschluss als Diplomingenieur im Maschinenbau
in der Tasche. Zwei Jahre hat er im Kaliwerk gearbeitet, dann entschloss
er sich, einen ganz anderen Weg einzuschlagen. Sechs Jahre dauerte
die Ausbildung zum Pfarrer, noch einmal begab er sich in Hörsäle.
Diesmal studierte er Theologie in Erfurt. Seine Entscheidung hat
Sternal nie bereut, „auch wenn es manchmal regnerische Tage gibt“,
sagt er. „Wenn man daran glaubt, dass man nicht allein ist in der
Welt und dass man von Gott gewollt ist, kann man in der Hoffnung
leben, dass man den richtigen Weg geht. Das ist wie in einer Partnerschaft.
Wenn man vom Partner gewollt ist, bestärkt einen das in seiner Hoffnung.
Bei allem Streit kann ich mich auf den anderen verlassen.“
Gemeinschaft hat Sternal in einer großen Familie schon früh erfahren.
Als jüngstes Kind seiner Eltern wuchs er mit fünf Brüdern und einer
Schwester auf, noch heute erinnert er sich, wie gern er als Junge
im großen Garten seiner Eltern gespielt hat. Der christliche Glaube
war von Anfang an Teil in Sternals Leben. Jeden Sonntag ging es
mit den Eltern und Geschwistern in die Kirche.
Nun ist der Glaube für ihn Kern seines Berufes, seines Arbeitsalltags
geworden. Sternals Diensttag gestaltet sich vielfältig. Meist bereitet
er schon am Abend den Gottesdienst für den Morgen vor, dann macht
er Hausbesuche oder es kommen Gemeindemitglieder zu ihm. Außerdem
hat er Wege zur Verwaltung oder zur Sparkasse zu erledigen. Einmal
in der Woche leitet er die Katechese — einen Religionsunterricht
für Kinder. Hauptsächlich ist Sternals Arbeitstag aber davon geprägt,
„dass ich mich aufmache, in ein Dorf zu fahren, und die Kontakte
pflege“. Abends gibt es verschiedene kirchliche Gruppen oder Kreise,
die regelmäßig zusammenkommen. Auch bei der Feuerwehr ist der Pfarrer
schon mal zum Reden eingeladen. „Die Tage sind gut bestückt. Immer
ist was zu erledigen oder einer klingelt ...“ Zur richtigen Schreibtischarbeit
kommt der Pfarrer erst am Abend. „Wenn man in Ruhe arbeiten will,
geht das manchmal bis 22 Uhr“ .
Wenn doch ein bisschen Zeit für ihn persönlich bleibt, liest Sternal
gern historische Romane. Er mag es, sich in der Geschichte kundig
zu machen. Auch Fernsehsendungen, die viele Menschen sehen, sind
für ihn ein Thema. „Wenn ich die Menschen verstehen will, muss ich
mich mit dem beschäftigen, was sie umgibt.“
Quelle: Volksstimme